Graf Leo Nikolajewitsch Tolstoi wird am 9. September 1828 geboren

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Thomas Weiberg

Thomas Weiberg

Thomas Weiberg ist Historiker und hat sich seit vielen Jahren immer wieder mit verschiedenen Aspekten der deutsch-osmanischen Beziehungen zwischen 1871 und 1918 beschäftigt. So hat er unter anderem die Tagebücher der Großherzogin Elisabeth von Oldenburg , die sie 1902 während ihres Besuches bei Sultan Abdül Hamid II. verfaßte, mit ausführlichen Kommentaren versehen herausgegeben und verschiedene Aufsätze zu Kaiser Wilhelm II. und seinem Orientinteresse sowie zu Bismarcks Orientpolitik publiziert. Thomas Weiberg lebt in Berlin und arbeitet seit 2005 für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.

«Mögen die Parsen ihre Topis tragen, die Juden ihre Philalektere, die Christen ihr Kreuz, Muselmänner ihren Halbmond, aber mögen sie alle dessen eingedenk sein, daß dies nur Formen und Embleme sind, daß aber das Grundwesen aller Religionen – die Nächstenliebe – in gleicher Weise gefordert wird von Jesus, Paulus, Manu, Zoroaster, Buddha, Moses, Hillel, Sokrates, Mohammed.»

Aus: Leo Tolstoi: Für alle Tage. Ein Lebensbuch; Dresden 1907.

Leo Tolstoi gilt bis heute als einer der bedeutendsten und hoch verehrten Schriftsteller Rußlands, dessen 1869 beziehungsweise 1877 erschienenen Romane ›Krieg und Frieden‹ und ›Anna Karenina‹ sowie die 1891 herausgegebene Novelle ›Die Kreutzersonate‹ fester Bestandteil der Weltliteratur wurden. Darüber hinaus schuf Tolstoi bis zu seinem Tod 1910 eine Vielzahl von Erzählungen und Novellen, die oftmals das harte bedrückende Leben der russischen Landbevölkerung schildern und sich darüber hinaus immer wieder mit seelischen Nöten, mit geistiger und seelischer Enge der Menschen beschäftigen.

Über sein langes Leben ist viel geschrieben worden: Gefangen in einer fast fünfzig Jahre andauernden Ehe, die beide Ehegatten in einer komplizierten Haßliebe miteinander verband, wandte sich Leo Tolstoi früh vielfältigen Reformideen zu, die das soziale Leben der Bauern und auch sein eigenes Leben betrafen. Dabei geriet er zunehmend in Konflikte mit der Staatsmacht, der Kirche, aber auch mit seiner eigenen Familie.

Sein spektakulärer Tod im November 1910 in einem kleinen Bahnhofsgebäude in der russischen Provinz auf einer dramatischen ›Flucht‹ vor seiner lebenspraktischen klugen Frau Sofia Andrejewna, die seit 1885 die Werke ihres Mannes in mühevoller Arbeit herausgab, wurde selbst zum Gegenstand der Literatur.

Zu seinem 80. Geburtstag 1908 wurde ein kurzer Film mit und über Leo Tolstoi auf Jasnaja Poljana, dem Gut der Familie im Gouvernement Tula (südlich von Moskau) gedreht. In jenen Jahren hat Tolstoi auch eine Tonaufnahme seiner Stimme anfertigen lassen. Sie wurde vor einigen Jahren publiziert, so daß wir noch heute einen Eindruck von seiner Art zu sprechen gewinnen können.

Hier ist die Stimme Leo Tolstois zu hören, außerdem zeigen frühe Filmaufnahmen den großen Schriftsteller und seine Familie.

Die Photographie zeigt Graf Leo Tolstoi und Gräfin Sofia Andrejewna Tolstaja anläßlich seines achtzigsten Geburtstages im September 1908.
Tolstoi in seinem Familienkreis
5 Söhne von Leo Tolstoi. Von links nach rechts - Sergey, Ilya, Lev, Andrey und Mikhail.
Leo Tolstoi prüft mit seiner Tochter Tatjana und einer Gruppe von Tolstojanern eine Liste von Bauern, die Hilfe erhalten sollen.
Tolstoi spielt "Gorodki" mit dem Sohn von Wladimir Tschertkow. Foto:1909, von T. Tapsel.
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