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Israel als verlässlicher Kooperationspartner Aserbaidschans

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Asif Masimov

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf Ostexperte.de

Trotz ideologischer Differenzen und inmitten einer geopolitisch aufgeladenen Region arbeiten Aserbaidschan und Israel erfolgreich zusammen. Die Beziehung der beiden Staaten könnte ein Vorbild für viele muslimische Länder sein.

Es ist durchaus paradox, dass ein mehrheitlich muslimisch-schiitisches Kaukasusland wie Aserbaidschan, das dem Iran benachbart ist, eine enge Beziehung mit dem jüdischen Staat Israel pflegt. Andererseits gibt es viele ausschlaggebende Argumente, die diese Verhältnisse plausibel machen.

Israel war einer der ersten Staaten, der im Jahr 1991 die Unabhängigkeit Aserbaidschans anerkannte. 1993 wurde sogar eine diplomatische Vertretung in Baku eingesetzt. Die Öffnung dieser aserbaidschanischen Vertetung in Israel wird jedoch immer wieder ausgesetzt, da diesbezüglich großer Druck von einigen muslimischen Staaten, bzw. vor allem dem Iran, ausgeübt wird.

Wirtschaftliche Beziehungen

Israel gilt für Aserbaidschan als wichtiger Ölimporteur und deckt dadurch mehr als ein Drittel seines Bedarfs ab. Es werden weiterhin mögliche Gasexporte nach Israel diskutiert. Die jüngsten Gefechte zwischen Armenien und Aserbaidschan, die in der Region um Tovuz geführt wurden, haben auch die Energiesicherheit von Israel bedroht, weil Öl aus Baku nach Israel über das energetische Projekt Baku-Tbilisi-Ceyhan, transportiert wird. Während des Fünf-Tage-Krieges zwischen Georgien und Russland im Jahr 2008 waren wir bereits Zeuge der eingeschränkten Öllieferung über diese Pipeline. Einige europäische Politiker sollten bedenken, dass die Sicherheit Aserbaidschans auch die Energiesicherheit Israels unmittelbar betrifft, bevor sie öffentlich Kritik an Aserbaidschan äußern. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern werden mittlerweile noch vertieft, da seit 2017 auch die bilaterale Besteuerung aufgehoben wurde.

Des Weiteren sucht Israel momentan nach Routinen, um mit den Gasressourcen in die europäischen Absatzmärkte einzutreten, und prüft die Möglichkeit, eine Unterwasserpipeline zu bauen. Der kürzeste Weg könnte über die Türkei gelegt werden, wobei man durch die Transanatolische Gaspipeline (TANAP) liefern könnte. Abgesehen von den angespannten Beziehungen zwischen Ankara und Jerusalem, könnte Aserbaidschan bei den Verhandlungen eine mitwirkende Rolle spielen. Im August 2013 wurde die israelisch-aserbaidschanische Industrie- und Handelskammer eröffnet. Einzelne Hauptbereiche der Kammer umfassen auch die Informationstechnologie, Telekommunikation und Cybersicherheit. In den letzten Jahren wird Aserbaidschan auch als beliebtes Urlaubsziel von zahlreichen israelischen Touristen gewählt. Die über Jahrhunderte währende kulturell-historische Beziehungen zwischen beiden Völkern sowie die Erteilung des Visums bei Ankunft im Flughafen machen das Südkaukasusland noch attraktiver.

Geopolitisches Interesse Israels am Kaukasus

Die Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Israel schneiden in allen Bereichen positiv ab. Das Interesse aneinander wird durch mehrere Faktoren begründet: Zum einen möchte Israel den islamischen Einfluss sowohl vom shiitischen Iran minimieren als auch den Export des radikal sunnitisch ausgeprägten Al-Qaeda-Faktors aus Dagestan im Norden Aserbaidschans verhindern. Zum anderen ist Israel aber durch die Präsenz Russlands und des Irans im Nahen Osten beunruhigt. Die aufgeführten Faktoren bringen Israel und Aserbaidschan zu einer politisch-militärischen Zusammenarbeit in der Region. Aserbaidschan ist mit dem iranischen und russischen Verhalten in Bezug auf den Bergkarabach-Konflikt selbst unzufrieden, denn der muslimisch geprägte Iran pflegt sehr gute politisch-wirtschaftliche Beziehungen mit Armenien, wobei Russland als Schutzmacht Armeniens schlechthin gilt. Die jüngsten Gefechte zwischen Armenien und Aserbaidschan und das darauffolgende Telefonat zwischen Ilham Aliyev und Wladimir Putin, indem Aliyev seine Sorgen über eine mögliche Waffenlieferung an Armenien übermittelt hat, bestätigen noch einmal, dass diese Beziehungen vorkalkuliert sind. In diesem Fall haben wir ein festes Dreieck, in dem Moskau-Teheran-Jerewan miteinander kooperieren und eine Beziehungslinie, in der Baku in der Mitte zwischen Jerusalem und Ankara steht, um die strategische Politik aufzubauen. Israel möchte dennoch, dass Aserbaidschan eine von der Türkei unabhängige Politik führt, um eine mögliche Islamisierung Aserbaidschans zu verhindern.

Politisch-wirtschaftliche Beziehungen fördern Militärkooperation

Die armenische Seite kritisiert Israel vermehrt wegen der Waffenlieferung an Aserbaidschan. Armenien sollte jedoch begreifen, dass die Militärkooperation zwischen Israel und Aserbaidschan nicht nur gegen die armenische Besatzungspolitik ausgerichtet ist, sondern die Sicherheit Aserbaidschans in der gesamten Region gewährleisten soll. Die Stabilität und Sicherheit Aserbaidschans bedeutet auch die Sicherheit und weitere Präsenz Israels in der Kaukasusregion. Im Rahmen dieser Kooperation wurden bereits mehrfach Terroranschläge in Baku und anderen Regionen Aserbaidschans verhindert. Von daher sollte es niemanden verwundern, dass bereits in den 1990er Jahren israelische Spezialisten Stationen für die elektronische Intelligenz entlang der aserbaidschanisch-iranischen Grenzen bauten. Im Jahr 2011 begann Israel, Aserbaidschan mit Drohnen zu versorgen, um diese Grenze zu überwachen. Wenn Jerewan wegen der israelischen Drohnen-Lieferung heute protestiert, sollten sie nur nachvollziehen, dass diese Lieferung nur einen Teil der israelisch-aserbaidschanischen Kooperation darstellt. 

Kürzlich wurde bekannt, dass „Elbit Systems“ seine Neuheit an Aserbaidschan verkauft hat – das unbemannte SkyStriker-Kamikaze-Luftfahrzeug, das in der Lage ist, weitreichende und genaue taktische Treffer zu erzielen. Vor Kurzem hat das israelische Verteidigungsministerium auch das Verkaufsverbot für die Orbiter 1K Kamikaze-Drohnen durch das Unternehmen aufgehoben. Angesichts der Tatsache, dass die Orbiter 1K-Drohnen bei militärischen Operationen in der Konfliktzone ihre hohe Effizienz bereits bewiesen haben, könnte Aserbaidschan sie weiterhin importieren. Die jüngsten Gefechte zwischen Armenien und Aserbaidschan haben bestätigt, dass Jerewan zur Beendigung der Besetzung von Berg-Karabach und den sieben umliegenden Bezirken weiterhin nicht bereit ist und dazu noch weitere strategische Gebiete Aserbaidschans ins Visier genommen hat. Von daher wird die militärisch-politische Kooperation zwischen Israel und Aserbaidschan auch in Zukunft noch weiter vertieft.

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