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AStA der Universität Rostock diskriminiert aserbaidschanische Studierende

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Murad Huseynov

Aserbaidschanische Studentische Community in Rostock I murad.huseynov@uni-rostock.de

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 05.10.2020 erreichte Studierende und auch uns, aserbaidschanische Studierende, der Universität Rostock, eine E-Mail von der AStA-Presse über Lage im Bergkarabach. Diese wiest einen sehr voreingenommenen und einseitigen Charakter auf. Wir sind der Auffassung, die Informationen wurden Ihnen vorgefertigt und gezielt zur Verfügung gestellt. Anderenfalls können wir Ihre Position nicht verstehen geschweige denn noch akzeptieren. Zudem wirft das Verschicken dieser Inhalte an die Studierende gewisse Fragen über die Vereinbarkeit dieser Aktion mit der Satzung der ASTA und der von der Universität auf! Durch “armenische Studenten in Rostock und unsere armenischen Kooperationspartner sind durch den aktuellen Krieg direkt betroffen“ werden wird bewusst relativiert und diskriminiert, während in beiden Ländern (nicht nur in Armenien!) durch die Kriegshandlungen gleichwertige (!) Menschen betroffen sind. Dies visiert die Minderwertigkeit der Studenten aserbaidschanischer Herkunft an. Das ist absolutes „No Go“!

„…international nicht anerkannten unabhängigen Republik Bergkarabach (Republik Arzach), mit überwiegend armenischer Bevölkerung…“ und Region Bergkarabach, die zur Zeit der Sowjetunion als autonome Region formal zur aserbaidschanischen Sowjetrepublik gehörte“ sind auch irreführend. Bergkarabach war schon vor Gründung der aserbaidschanischen sowjetischen Republik Aserbaidschans Gebiet, auf dem Armenier und Aserbaidschaner zusammenlebten. Dies lässt sich dem Beschluss (Anhang) der Kommunistischen Partei Russlands vom 5. Juli 1921 entnehmen. Mehr hierzu liefert das Buch von Rüdiger Kipke „Konfliktherd Südkaukasus. Aserbaidschan im Fokus (sowjet-) russischer und armensicher Interessen“, insbesondere die Seite 82. Die UN-Resolutionen (822, 853, 874 und 884), worin Armenien zum bedingungslosen und sofortigen Abzug ihrer Truppen aus Bergkarabach aufgefordert wurde, wurden ignoriert und nicht implementiert. 25 Jahre ist aserbaidschanisches Gebiet – trotz unermüdlicher Versuche das Problem auf diplomatischem Wege zu lösen – unter der armenischen Besatzung. Eine Million Aserbaidschaner wurden aus ihren Häusern vertrieben, was auch die Anzahl der Einwohner in der Region sehr stark zu Lasten des aserbaidschanischen Anteils beeinflusst hat und Schwierigkeiten in humanitärem Sinne (insbesondere Unterbringung der Vertriebenen) verursachte.

Gewalt ist keine Lösung, aber der armenische Verteidigungsminister sagt etwas anderes: „Als Verteidigungsminister sage ich, dass ich das Format „Tausch der [besetzen] Gebiete gegen Frieden“ durch das Format „Neuer Krieg – Neue Gebiete“ ersetzt habe.“ Aserbaidschaner sind auch Menschen und müssen sich schützen! (Art. 2 Abs. 4 und Art. 51 der UN-Charta)

Ihre E-Mail stellt den völkerrechtlich anerkannten Status Bergkarabachs in Frage und diskreditiert uns in Augen unserer Kommilitoninnen an der Universität. Wir nehmen die subtile Schuldzuweisung und Diskriminierung nicht hin. Eine Universität ist ein politik- und konfliktfreier Raum, wo sich alle Studierende in Sicherheit fühlen wollen. Als gleichberechtigte und gleichwertige Studierende fordern wir die Leitung der Universität dazu auf, die unbedachten Erklärungen von ASTA zu unterbinden und zu der Sachlage eine klare Stellung zu beziehen. Sollte dies nicht geschehen, werden wir uns leider dazu veranlasst sehen, die Botschaft und die Konsulate der Republik Aserbaidschan in Deutschland zu informieren und Aserbaidschaner deutschlandweit zu einer Kundgebung aufzurufen.

Mit freundlichen Grüßen

Murad Huseynov  

Aserbaidschanische Studentische Community in Rostock I murad.huseynov@uni-rostock.de

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