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Aserbaidschanische Gemeinde Deutschlands verurteilt den Welt-Journalisten Alfred Hackensberger wegen seinem Artikel

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Hallo Herr Hackensberger, 

Als Dachverband der in Deutschland tätigen aserbaidschanischen Gemeindeorganisationen richtet der in Köln ansässige Internationale Religions- und Kulturakademische Zentrum (IRKAZ e.V.) das folgende Schreiben an Sie als Autor des jüngst auf welt.de erschienenen Artikels „Berg Karabach. Erdogans neuer Krieg“.

Leider konnten wir ihren kostenpflichtigen Beitrag nicht bis zum Ende lesen. Aber bereits der Titel und die ersten Zeilen lassen erahnen, welche verschwörungstheorieartige und von der Realität weit entferne Behauptungen Sie dort vertreten. Dass ein langjähriger und erfahrener Journalist in seinen Ausführungen Versuch unternimmt, den deutschen Leserkreis bewusst mit armenischer Propaganda zu überziehen, ist schlichtweg unbegreiflich. Von welcher Intention Sie dabei getragen werden, ist uns eigentlich bekannt, denn bei Türkei- und Erdogan-Bashing Themen sind Sie ein gern gefragter „Experte“. Mit ihrer Armenienpropaganda reihen Sie sich grundsätzlich in die Reihe ihrer journalistischen Kollegen*innen aus Spiegel, FAZ, Süddeutsche etc., für die Täter („muslimische“ Aserbaidschaner und Türken) und Opfer („christliche“ Armenier) bereits im Vorfeld feststehen. Bewusst verschweigen Sie die wichtigsten Erkenntnisse wie die völkerrechtswidrige Besetzung aserbaidschanischer Territorien durch Armenien, 4 UN-Resolutionen und sonstige internationale Bestimmungen, die diese Besetzung verurteilen, Vertreibung von 1 Millionen Aserbaidschanern aus ihren Heimatorten usw. Mit der Formulierung “muslimisches Aserbaidschan” sprechen Sie in Deutschland gezielt diejenige Zielgruppe an, die ohnehin tiefen Hass gegen Muslime verspürt. Und dabei wollen Sie nicht erwähnen, dass dieser Konflikt keinen religiösen Hintergrund hat. Aserbaidschan ist Heimat für beudeutende russische und jüdische Gemeinden, die seit Jahrhunderten mit Aserbaidschanern friedlich zusammenleben. 

In ihrer Analyse sind Sie auch mit Sicherheit nicht auf tatsächliche Hintergründe der jüngsten Eskalation eingegangen. Armeniens Premierminister hat noch vor einem Jahr demonstrativ erklärt: “Karabach ist Armenien. Punkt!”. Seine Ehefrau Anna Hakopyan hat sich erst vor wenigen Wochen öffentlichkeitswirksam in Uniform und mit der Waffe in der Hand an der armenisch-aserbaidschansichen Staatsgrenze gezeigt. Zudem hat sich der armenische Botschafter im Irak vor einigen Wochen mit PKK-YPG-Anführern in Syrien getroffen. Hunderte Terroristen wurden einigen russischen Medienberichten zufolge bereits nach Bergkarabach geschickt, um dort Sabotageaktionen durchzuführen. Parallel dazu wurden mehrere armensiche Familien aus Libanon nach der Bombenexplosion in Beirut in besetzten aserbaidschansichen Territorien angesiedelt. Darüber wollen Sie aber nicht berichten, weil Sie genau wissen, dass man sich mit derartigen Angaben bei der Leserschaft unbeliebt machen würde. Das Ganze lässt sich mit ihren journalistischen Prinzipien wie die Wahrhaftigkeit, Richtigstellung, Grenzen der Recherche, Vermeidung von Diskriminierungen etc. nicht vereinbaren, Herr Hackensberger. Sie sind ein typischer Vertreter der medialen „Meinungsdiktatur“, die den Massen vorschreibt, wer Recht bzw. Unrecht hat. Bezogen auf armenisch-aserbaidschanischen Konflikt suchen Sie und ihre journalitschen Kollegen*innen stets eine türkische Spur, nur weil die Türkei die aserbaidschanische Position im Bergkarabachkonflikt unterstützt. Wie erklären Sie denn ihren Standpunkt, wonach Erdogan angeblich syrische Kämpfer nach Bergkarabach geschick hätte? Wo sind ihre Quellen bzw. Beweise? Warum verbreiten Sie solche haarsträubende Desinformationen? Eine Schande für den deutschen Qualitätsjournalismus! Dabei ist es nachweislich nicht Ankara, sondern Moskau, das die Konfliktparteien seit Jahrzehnten mit Waffen beliefert und diese gegeneinander ausspielt. Darüber fällt in meisten Fällen kein einziges Wort aus der Feder von deutschen Medienschaffenden.  

Sie als Vertreter des „deutschen Qualitätsjournalismus“ sollten sich bitte über diese Thematik besser informieren, bevor Sie sich entschließen, ein skandalöses Schreiben aufzusetzen, in dem Sie mit Absicht ganze Tatsachen verschweigen und auf diese Weise gezielte Meinungsmache gegen die Türkei und Aserbaidschan betreiben. 

Freundliche Grüße

Vorstand des IRKAZ e.V.

Große Budengasse 17-25

50667 Köln

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