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Appell an den Zentralrat der Juden in Deutschland

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Sehr geehrte Damen und Herren,

Liebe unseren jüdischen Freundinnen und Freunde,
 

Als Dachverband aller in Deutschland tätigen aserbaidschanischen Gemeindeorganisationen wendet sich das in Köln ansässige Internationale Religions- und Kulturakademische Zentrum (IRKAZ e.V.) gemeinsam mit der Onlineplattform „Alumniportal Aserbaidschan“ mit diesem dringenden Appell an den Zentralrat der Juden in Deutschland. 

Wie Sie bereits wissen, sind seit Tagen schwere Kämpfe zwischen aserbaidschanischen und armenischen Streitkräften um die Region Bergkarabach im Südkaukasus ausgebrochen. Das Gebiet ist seit 27 Jahren völkerrechtswidrig von Armenien besetzt. 4 UN-Resolutionen (822, 853, 874, 884) über den bedingungslosen Abzug armensicher Truppen aus aserbaidschanischen Territorien werden bis heute von Armenien ignoriert. Mehr als 1 Million aserbaidschanische Flüchtlinge und Binnenvertriebene können 27 Jahre lang die Gräber ihrer Vorfahren nicht besuchen. Das gesamte kulturell-religiöse Erbe der Aserbaidschaner in besetzten Gebieten ist komplett ausgelöscht worden. 

Das laizistisch und muslimisch-schiitische geprägte Aserbaidschan war und ist Heimat für zahlreiche ethnische Minderheiten. Seit Jahrhunderten leben im Land Christen, Muslime und Juden friedlich beieinander. Rund 30.000 Menschen jüdischer Herkunft (Bergjuden) leben heutzutage in Aserbaidschan. Als noch Juden überall in Europa wegen ihrer religiös-ethnischen Zugehörigkeit verfolgt wurden, fanden Sie Schutz bei ihren aserbaidschanischen Brüdern und Schwestern. Ein gemeinsames Leben ohne Hass und Diskriminierung liegt in der Mentalität der muslimischen Aserbaidschaner. Die Mehrheitsgesellschaft kommt den Juden stets mit sehr viel Respekt und Achtung entgegen. Unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger können beispielsweise ungestört mit Kippa auf den Straßen herumlaufen, ohne dabei angefeindet zu werden. Im Gegenteil kommen die Menschen in allermeisten Fällen mit einem freundlichen „Schalom“ entgegen. Es gibt 8 Synagogen (davon 3 in Baku) und seit 2010 eine jüdische Schule in Aserbaidschan. Zu den prominenten Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde Aserbaidschans zählen unter anderem der Nobelpreisträger Lew Landau, prominenter Arzt  Solomon Gusman sowie der Panzerkommandant Albert Agarunov, der im ersten Bergkarabach-Krieg gegen Armenien Anfag der 1990-er Jahre starb und posthum zum Nationalhelden Aserbaidschans erklärt wurde. Schimon Ihilov, Präsident der jüdischen Kultusgemeinden in Aserbaidschan, betont immer wieder in seinen Auftritten: „Wir haben keinerlei Probleme im Hinblick auf die Ausübung unseres Glaubens oder den Antisemitismus”. Schlomo Amar, einst Oberrabbiner Israels bis 2013 bezeichnete die Toleranz in Aserbaidschan beispielhaft in der ganzen Welt. Auf zwischenstaatlicher Ebene pflegt Aserbaidschan trotz massiven Druck aus dem Iran enge politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zu Israel. Wir Aserbaidschaner wissen, diese enge Freundschaft zu schätzen. 

Armenien hingegen gilt laut dem Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center als das intoleranteste Land gegenüber Juden unter den Staaten Zentral- und Osteuropas. Mehr als ein Drittel der armensichen Bevölkerung möchte die Menschen jüdischer Herkunft nicht als Mitbürger haben. Noch bis 1989 lebten im heutigen Armenien bis zu 10.000 Juden. Heutzutage führen weniger als 200 Juden ein unauffäliges Leben in Armenien, weil diese aufgrund der feindseligen Haltung seitens der Mehrheitsgesellschaft (99 Prozent der Bevölkerung sind ehtnische Armenier) verlassen mussten. Das Holocaust-Denkmal in der armenischen Hauptsadt Jerewan wurde einige Male mit den Worten “Tod den Juden” (zuletzt im August 2020) geschändet. Angesciths enger Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Israel wachsen Animositäten gegenüber Juden in Armenien immer weiter. Auch einige deutsche Politiker machen dabei leider mit. Etwa Martin Sonnenborn, Abgeordneter des Europäischen Parlaments sorgte vor wenigen Tagen mit seinem Beitrag auf Twitter für Empörung, indem er Israel wegen seiner Unterstützung für Aserbaidschan im Bergkarabachkonflikt mit einem geschmacklosen Hinweis auf “Holocaustüberlebende” verantwortlich machte. Sein verdeckter Antisemitismus wird auch durch einen Facebook-Post vom April 2017 erkennbar. Darin heißt es sarkastisch: “Ich entschuldige mich vorbehaltlos für meinen Post zum Thema Sigmar Gabriel in Israel. Ich wusste ja nicht, dass Netanjahu Jude ist. Bei Wikipedia steht nichts davon, jedenfalls nicht im ersten Absatz”. Im Anhang finden sie zwei Screenshots als Beweis. 
 
In den letzten Tagen wird ein regelrechter Propagandakrieg in deutschen Medien gegen Aserbaidschan betrieben. Das Land wird beschuldigt, angeblich armenische Zivilisten in Bergkarabach zu attackieren. Dabei ist es Aserbaidschan, das bis zum jetzigen Zeitpunkt nachweislich die meisten zivilen Todesopfer (mindestens 30) zu beklagen hat. Dutzende Städte, die außerhalb der Kampfzonen liegen, werden mit Langstreckenraketen direkt von Armenien aus brutal angegriffen. Als Folge dieser verbrecherischen Kriegführung liegen ganze Ortschaften und Teile von größeren Städten im Trümmern. Erst gestern wurde Gändscha, die zweitgrößte Stadt Aserbaidschans mit einer Einwohnerzahl von 350.000 Menschen mit mehreren Raketen heftig beschossen. Das ist eine neue Dimension der Eskalation. Die Stadt befindet sich eigentlich 60 Kilometer außerhalb von Bergkarabach, wo sich keine militärischen Standorte befinden. Doch wir als “muslimische Aserbaidschaner” (wie es in den Medien immer wieder heißt) können unsere Stimme in der deutschen Presse nicht geltend machen. Die Berichterstattung ist extrem einseitig, sprich proarmenisch. Unsere zahllosen Aufrufe zur objektiven und differenzierten Reportage zu den genauen Hintergründen dieses Konfliktes bleiben unerhört. Das ist ein ungleicher Kampf gegen die Überlegenheit der armenischen Propagandamaschinierie. 
 

Wir appellieren an unsere jüdischen Freundinnen und Freunde vom Zentralrat der Juden in Deutschland, in einer entsprechenden Erklärung diese infame Verleumdungskampagne und Meinungsmache der deutschen Presse gegen Aserbaidschan zu verurteilen und das Land Aserbaidschan, das eine der größten jüdischen Gemeinden im postsowjetischen Raum beherbergt, in diesen schicksalshaften Zeiten in seinem Kampf für Gerechtigkeit und Wahrheit zu unterstützen. 

 
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Samir Hasanov
Herr Elkhan Karimli
Herr Mirbagir Aghayev
Vorstand des IRKAZ e.V.
Große Budengasse 17-25
50667 Köln
 
und 
 
Onlineportal «Alumniportal Aserbaidschan»
 
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